Nach dem glorreichen, erkämpften Start-Sieg gegen Ipsach folgte mit dem Spiel gegen den FC Nidau die Herausforderung mit dem letztjährigen Gruppengegner und Gruppensieger. Mit dem FC Nidau wartete aber auch der aktuelle Tabellenführer der Senioren-Champions-League-Gruppe. Der souveräne 3:0-Forfaitsieg gegen Azzurri hievte sie direkt auf den Platz an der Sonne. C. Baer konnte mit dem Spiel in Ipsach die Euphorie im Team entfachen – vielleicht auch mit der Drohung: Wer nicht spielt gegen Nidau, muss trainieren! Und so konnte er auf eine prall gefüllte Matchkarte zählen – mit 16 Spielern! Noch nie in der Geschichte des Buschangers-Altherrenfussballs gab es einen derart aufgeblähten Teamkader, und es war zu hoffen, dass durch gezielte Auswechslungen der Muskelkater diesmal weniger lang anhalten würde! Grosse fehlende Figur im Kader war AIR-Schneider. Der Überflieger vom Ipsach-Spiel landete heute nicht pünktlich zum Heimspiel. Mit Rufer war ein junger, wilder Torhüter mit Katzenreflexen zur Stelle, der nicht nur die grossen Fussstapfen ausfüllen wollte, sondern auch das Stretch-Trikot. Der Rasen war flach und ganz ohne Holperer – anders als das letzte Spiel der BÄRentruppe. Das viel bestimmende Wort heute lautete Pressing/Pressen… zuerst pressten sich alle in ihre Trikots, und nach einem meisterrundengerechten Einlaufen hatte man sogar noch Zeit, die dadurch entstandenen Schwindelanfälle bis zum Anpfiff auszukurieren.
Wahnsinnig war die Nachfrage zum Spiel: Da waren wirklich einige, die seit Dienstag vor dem Längfeld auf den Einlass warteten, um auf der Tartanbahn den besten Platz zu bekommen – und so wusste man zuerst nicht, ob man auf einem Open-Air-Zeltplatz oder auf dem Längfeld war.
Rein ins Spiel! Nach einem zügigen Einmarsch zeigte Rufer das erste Mal seine ganze Klasse: Sieg in der Platzwahl und auch noch das Anspiel. Er schraubte die Erwartungen an sich selber hoch! Und dann war das erste Mal Pressing angesagt… Die Nidauer Stürmer liefen die blau-weissen Verteidiger sofort an, als wären sie Tempoläufer an einem Marathon. Die körperliche Präsenz war enorm, und es schien sich heute endlich um dieses sagenumwobene Meistergruppen-Niveau zu handeln. Die ersten 15 Minuten waren unschön aus Sicht der noch älteren Senioren: zielgenaue, torpedoähnliche Geschosse in die Tiefe führten immer wieder zu langen, unangenehmen Sprints! Lieber Verband, hier müssen Sie sich etwas überlegen – das ist überhaupt nicht altersgerecht! Das Duo tranquillo in der Innenverteidigung agierte aber souverän und lief Ball um Ball ab. Nach vorne kann diese Spass-Truppe nur etwas, das aber – wie es sich zeigen sollte – gar nicht so übel: nämlich Flachpassspiel. Der Gegner wurde ab der 10. Minute regelmässig in der eigenen Hälfte beschäftigt, was diesem gar nicht gefiel! Und so entstanden auch Chancen. Eine davon war ein flacher Abschluss nach einer wunderbaren Kombination. Der Torjubel blieb den Anhängern im Halse stecken, denn da war dieser Torhüter! WELTKLASSE-Parade des Gästehüters! Auch hier die Anmerkung Richtung Verband: Ist eine solche Parade in den Senioren körperlich überhaupt möglich? Im Buschanger Sechzehnmeter gab es einige knackige Duelle, alle souverän entschärft durch die Innenverteidigung oder Rufer, der hielt und boxte, was er vor die Fäuste bekam. Eine wunderbare Flanke führte zu Verwirrung und einem unschönen Kopfballduell, das zu einem Kopf-an-Kopf-Zusammenstoss führte! Gute Besserung dem Gast! Der Buschanger Innenverteidiger schüttelte sich kurz, verlor kreisrund einige Haare durch den Zusammenprall – und weiter ging’s! Danach kombinierte sich die Heimmannschaft wieder durch, und eine Flanke, so zart wie ein Stück frisch gegrilltes Rindsfilet, das durch lauwarme Butter gezogen wird, flog Richtung Strafraum, wo Dubach – wie vom Hansjockel gezogen – souverän zur Führung traf. Sein Spinkick entlockte Thomas Müller in Kanada vor Freude einen Juchzer! 1:0!!! FUSSBALL-LECKERBISSEN ZUM MIT DER ZUNGE SCHNALZEN!!! Wahnsinn, was diese alte Truppe heute wieder für ein Feuerwerk abbrannte – das ehemalige Bielerseefest wäre stolz darauf! Bis zur Hälfte zog es sich jedoch noch hin, und die Angriffe der Gäste wurden jetzt wütender, aber dadurch ungenauer! Rufer boxte nun nicht mehr durch den Strafraum, sondern hob nur noch die Bälle auf. Gefährlich wurde es für ihn nicht mehr.
In der Pause hatte der Trainer viel Redebedarf, zeigte sich aber nicht mitteilungsbedürftig und begann die Fitness der spielenden Elf abzuklären, um mögliche Wechsel vorzubereiten. Und dann war da noch so ein Bild mit Seltenheitswert… Im Abendrot standen drei Auswechselspieler stretchend neben dem Coach, um ihren Willen zum Spielen zu präsentieren. In vergangenen Jahren versteckten sich die Auswechselspieler noch und simulierten, um nicht zu lange zum Einsatz zu kommen. Dieser Bär muss wohl ein kleiner Fussball-Harry-Potter sein… Es bleibt spannend, ob der Vorstand diesem Teufelstrainer ein Vertragsangebot macht oder ob sie doch auf den Plan B, Urs Fischer, zurückgreifen wollen.
Wieder wurde zum Start in die 2. Halbzeit gepresst! Der Gegner presste die Heimmannschaft näher Richtung eigene Buvette, was den einen oder andern an die folgende Harasse mit dem erfrischenden Kühlgetränk erinnerte! Aber zuerst gab es noch 40 Minuten Bewegung! Manaz ersetzte den Langstreckensprinter Yavi und sollte mit einigen genialen Pässen und Pirouetten Ruhe ins Spiel bringen. Und ja, da waren diese 11 Spieler… schnell, kräftig, technisch stark – und trotzdem erfolglos. Nidau biss sich am Buschanger Mittelfeld die Zähne aus, folgte der lange Ball, war der Abwehr-Mocken zur Stelle und räumte auf. Gerade als die Gäste mit ihrer Druckphase anrannten, lancierte Gloor mit einem Sahneball den jungen Kammermann. Meine Damen und Herren, es ist keine Kopie vom letzten Freitag, aber es könnte eine sein! Kammermann rannte um sein Leben, als ob es bereits ein Bier für ihn hinter dem Tor hätte. Er sprang durch zwei Verteidiger, schnappte sich den Ball, um diesen dann per «Spitzgagu» zum 2:0 in die Maschen zu drücken! 2:0 – lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen!!! 2:0! 2:0!!! WAHNSINN – und so schön gespielt wie der Baum in Avatar! Nidau war nun bedient und setzte seine physischen Mittel gegen die alten, gebrechlichen Knochen der BÄRentruppe ein! Hektisch, laut, nervös wurde es nur auf der einen Seite. Ruhig, souverän und einfach war der Fussball der Spass-Truppe! Tick-Tack-Tock-Tock-Tick – und das Ganze noch einmal, weil es so schön war! Jeder spielte mit dem anderen, gönnte ihm den Ball und natürlich die damit verbundenen Meter, die gelaufen werden mussten. Es sah so einfach aus! Auch die Kombination über die rechte Seite, die in der Mitte bei Berisha landete, der den mitgelaufenen Hügli lancierte – und dieser schob den Ball cooler ein, als Maradona zu «Live is Life» jonglierte!!! 3:0 – WOW!!! Die Pressetribüne erhob sich des Gezeigten wegen, und sogar der Nidauer Anzeiger lieh sich den Duden der Superlative bei unserer Redaktion aus! Nun war der Wille des Gastes gebrochen, und sogar Diskussionen waren hinfällig! Sie besannen sich auf ein einfaches Fussballspiel, diese Idee war jedoch zu spät. Ein Fehlpass durch die Mitte nahm Gloor auf und lief los. Zwei Gegner standen Spalier und konnten aus nächster Nähe beobachten, wie er das Runde aus 35 m ins Eckige drosch! Aus der Not der fehlenden Kraft wurde das 4:0!!! So etwas von verdient!!! 4:0!!! Es gab Gerüchte, dass noch während der zweiten Halbzeit der Vorstand des FC Bözingen 34 tagte, um erstens den Seniorenbändiger Bär per lebenslangem Vertrag zu binden und um die Eintrittspreise per sofort zu verdoppeln! Bär nutzte sein Wechselkontingent mehr aus als die Steuerschlupflöcher und wechselte nun regelmässig ein und aus, um die Spieler in diesen englischen Wochen zu schonen. Einige Altherren nahmen die Pause dankend entgegen, und einige junge Wilde wollten sich näher an der Startelf positionieren! Eine dieser Übermotivation endete mit einem leichten «Stupf ans Wadli», was bei diesem kräftezehrenden Spiel reichte, um zu fallen. Penalty! Souverän wurde das Resultat kosmetisch angepasst: 4:1.
Und danach war Schluss!!! 4:1 gewinnen die Blau-Weissen gegen den FC Nidau! Hochverdient, schön anzuschauen und lustig vor, während und nach dem Spiel! Heute kann bilanziert werden, dass Wille, Ernst und geballte Kraft an Freude, Spiel und Spass gescheitert ist!
Noch souveräner als 80 Minuten Bewegungstherapie war nur noch der Auftritt in der 3. Halbzeit. Mit eleganten, schnellen Bewegungen wurde ein Pressing um die Kiste aufgezogen und diese blitzschnell geleert – und noch bevor es wieder kühles Bier gab, war auch hier der Sieg Tatsache!
An alle Dauerkartenbesitzer: Für das Auswärtsspiel in Täuffelen vom nächsten Montag wurde speziell ein «Moosrugger»-Bähnli gemietet. Man befindet sich noch in Verhandlungen, ob dieses für die Auswärtsfahrt der Blau-W(h)eissen umgespritzt wird.